spakken knorke
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So wie sich der merkwürdige Name dieses Projekts aus zwei Vorschlägen zusammenfügte, ist auch ihre Musik eine spontane Addition der Geräusche mehrerer Musiker, die sich seit Anfang 1997 zu Livesessions treffen. Dabei entsteht die hauptsächlich elektronisch kreierte Musik erst in dem Moment, in dem sie der Zuhörer auch vernimmt - also live pur!
Natürlich tragen auch die vielfältigen Requisiten und Experimente, die fester Bestandteil bei den Auftritten von Spakken Knorke sind, zu einmaligen Live-Erlebnissen bei.
Dennoch schreiben sie selbst auf ihrer Homepage: "Man muß allerdings auch betonen, daß Spakken Knorke Spaß machen soll, wenn schon nicht dem Zuhörer, dann wenigstens den Machern. So gesehen hat Spakken Knorke einen großen Spaßfaktor und sollte nicht bierernst genommen werden."
Wir haben sie aber bierernst genug genommen, ihnen in Electrigger #3 einen Beitrag zu widmen und mit den Hauptakteuren Ätna Übel und para.mecium im März '99 ein Interview zu führen:

Spakken Knorke in Duisburg, 26.12.1998Anorak, 01.06.1997Ätzeschiel's Percussion

Wer kam auf die Idee, so ein hirnrissiges Projekt wie Spakken Knorke überhaupt zu starten?
Ätna Übel: Hirnrissig? Nächste Frage!
para.mecium: Na ja, wir beide eigentlich - zusammen...
Ätna Übel: Ja also - eines Tages am Muttertag stand meine Mutter auf und da meinte sie so: Sven, heut' Nacht hab' ich geträumt und eine wunderbare Idee gehabt! Du hast das Zeug dazu, eine Band zu machen - mit para.mecium als Komplement. Da haben wir uns einfach mal hingesetzt und losgemacht... Und da dachten wir uns: Das ist eigentlich ein gelungenes Konzept einfach mal, sich hinzusetzen und live Musik zu machen! Und daraus entstand dann Spakken Knorke irgendwie...
Das sind ja richtig Fragen, wo man drüber nachdenken muß!

para.mecium: Echt mal!
Willst Du noch mal drauf antworten?
Ätna Übel: Selbstverständlich, aber para.mecium antwortet!

Also wer kam auf die Idee, Spakken Knorke zu gründen? Und wann kamt ihr auf die Idee?
para.mecium: Das sind ja zwei Fragen auf einmal! Also wann...
Ätna Übel: Vor langer, langer Zeit... Da haben wir uns einfach mal hingesetzt.
para.mecium: Das ist mehr so aus Zufall entstanden... Also wir haben angefangen, aus Langeweile die Geräte angeschmissen und einfach so Musik gemacht. Und dann...

Ätna Übel: ...haben wir festgestellt, daß wir das sehr gut können.
para.mecium:Genau. Und dann ist die Idee gekommen, das können wir doch eigentlich mal wirklich...

Ätna Übel: ...öfters machen.
para.mecium: Öfters machen. Genau - und...
Ätna Übel: Wir haben gewisse gedankliche Übertragungen, wie man merkt.
para.mecium: Genau! Und siehe da, da war Spakken Knorke geboren. So war das...

Ätna Übel: Und da wird immer live musiziert, immer... Welche Kamera ist jetzt auf mir?... Also da wird dann immer live die Melodie entworfen - ja, die geht dann meistens auch so in den Eimer - aber... Hmmm, ich bin nicht so der Mensch für Live-Videoaufnahmen irgendwie...

para.mecium: Ja das war's doch schon!

Wer ist auf den Namen Spakken Knorke gekommen und was hat das zu bedeuten?
para.mecium: Also das war so, daß wir...
Ätna Übel: Hat das überhaupt eine Bedeutung?
para.mecium: Wir hatten dieses Konzert im Anorak und da mußte schnell ein Name her. Und da gab es verschiedene Vorschläge. Letztendlich waren es noch zwei Vorschläge: Irgendwas war blablabla Knorke und irgendwas Spakken soundso...

Ätna Übel: Spakken Terror war das!
para.mecium: Genau, und daraus wurde Spakken Knorke... Und Spakken - ja, Spakken sagt eigentlich gar nichts... Ist einfach nur so 'n Kunstwort, oder?

Ätna Übel: Ja... und Knorke ist irgendwie so 'n Berliner Wort für "alles okay" - ist schon ein bißchen älter. Aber hat sonst keine Bedeutung.

para.mecium: Das ist auch ein Hamburger Wort, hab' ich jetzt mitbekommen.
Ätna Übel: Ja, wir sind multi-international!
para.mecium: Knorke ist so was wie "toll" - "Eh, das ist ja knorke!"... verstehste? ;-)
Ätna Übel: Du hättest vielleicht vorher mit uns die Fragen abklären sollen!

Wer gehört denn zu Spakken Knorke, wieviel Leute sind das? Gibt es da eine feste Besetzung?
Ätna Übel: Endlich mal eine richtige Frage, die können wir sogar richtig beantworten... Also wir beide machen seit je her zusammen die Musik und sind da der am meisten kreative Part, sag' ich mal. Die anderen, die holen wir uns dann immer zu Liveauftritten dazu und die kriegen dann immer 'nen Auftrag, was sie machen müssen und bringen sich dann entsprechend mit ein. Damit ist es so, daß da wechselnde Besetzung ist... Bei unserem ersten Mal hatten wir zehn Leute, die sich alle nicht kannten... Wohin muß ich denn nun - in die Kamera oder zu dir? Okay, zu dir... Da waren wir also zehn Leute, die kannten sich alle nicht, und da haben wir das Konzept entworfen und den Grundstamm, und dann haben sich alle daran beteiligt. Also das ist ziemlich frei, jeder kann sich da einbringen - aber die feste Besetzung sind halt nur wir beide...

Bis jetzt gab es von euch nur Liveauftritte... Seid ihr reines Liveprojekt, daß sich nur durch seine Performances identifiziert - oder soll es von euch auch mal Tonträger geben?
para.mecium: Also es gab nicht nur Liveauftritte von uns, sondern es gibt auch eine Veröffentlichung auf Dhyana Records... Also na ja, eigentlich gibt's nur... ...ja also Liveauftritte ist falsch gesagt, also wir machen die Musik live - das schon, nur...

Ätna Übel: Wir haben auch schon zu Hause so einiges einfach mal so aus reiner Freude produziert... Und auf Tonträgern gibt es uns auch schon - bei uns zu bestellen...

para.mecium: Also live insofern, da werden manchmal einfach die Geräte angeschmissen und dann ist das zwar live produziert, aber eben kein richtiger Liveauftritt... Und dann gibt's eine Compilation von Dhyana Records, da haben wir ein Song drauf - und dann halt noch die diversen Liveaufnahmen von den Livekonzerten.

Was sind eigentlich Eure wichtigsten Einflüsse, gibt's überhaupt irgendwelche Einflüsse, oder - ist das alles nur zusammengeschmissen? Oder könnt Ihr keine anderen Instrumente bedienen...
para.mecium: Ja genau, das ist es! ;-)
Ätna Übel: Na ja, was heißt Einflüsse... Also bei uns ist es so: Wenn wir auftreten, haben wir mehrere Musiker an Bord und da kommt jeder meistens aus einer anderen Richtung und da bringt jeder eben so seinen Teil mit ein. Bei mir ist das eher die experimentelle, krachige Ebene, wo ich dann doch eher herkomme... Und die altbekannten Macher sind ja, glaube ich, dann auch in eurer Sendung, entweder vor oder nach unserem Report - das sind so meine Wurzeln. Bei para.mecium ist das mehr so... Helga Hahnemann.

para.mecium: Ja genau, ich wollt schon sagen!
Ätna Übel: Die werden jetzt nicht so viele Leute kennen... ist ein kleiner Tip! Also das ist dann recht vielschichtig und auch die Musik ist dann entsprechend aus allen Richtungen zusammengewürfelt. Und das ist gerade das schöne, find' ich: eben alles zusammenzumixen und zu gucken, was da so rauskommt. Du darfst noch sagen, was deine Wurzeln so sind...

para.mecium: Bei Helga Hahnemann halt... ;-)

Wie sieht Eure Konzertvorbereitung aus, gibt's da Tapes, die ihr vorher zusammenstellt oder so ein Gerüst, an dem ihr euch dann orientiert und über das dann live gespielt wird? Oder ist das alles live...
Ätna Übel: Also wie wir das immer so bei unseren Konzerten machen - wir hatten erst zwei richtige... :-) Beim ersten Mal hatten wir nur so ein schickes Konzept...

para.mecium: Beim ersten Mal war es so, da hatten wir einen großen DIN A4-Zettel, den hat jeder gehabt. Und da stand drauf, der und der macht das und das und die Musik hört sich so und so an, aber wir haben vorher nie geprobt! Das war beim ersten und dann bei den anderen beiden Sachen da war es halt so, daß wir...

Ätna Übel: Beiden Sachen?
para.mecium: Tinitusstadl!
Ätna Übel: Ach da war ja noch was... Ja, stimmt ja. Ich bin der mit Alzheimer! ;-)
para.mecium: ... also daß wir demjenigen vorher Tapes gegeben haben, damit er ungefähr weiß, was sein wird. Aber dann kommt alles live; also nicht irgendwie von Band oder so, das nicht...

Hat jemand von euch eine klassische Musikausbildung genossen?
para.mecium: Ich war mal im Knabenchor... ;-) Aber das hat nicht wirklich was damit zu tun. Außerdem Musikunterricht bei Frau W., die in jeder Stunde durchgedreht ist... Das ist unsere musikalische Grundausbildung!

Ätna Übel: Aber nicht wegen uns, oder?
para.mecium: Natürlich!
Ätna Übel: Selbstverständlich...
para.mecium: Also ich habe keine, du?
Ätna Übel: Wer jetzt, was?
para.mecium: Hast du eine musikalische Grundausbildung?
Ätna Übel: Na ja, früher immer so in der Badewanne, hab' ich mit meiner Mutter immer gesungen als kleines Kind... Aber weiter hinaus ging das nicht. Also ich habe keine fundierten Grundlagen, worauf man aufbauen könnte.

para.mecium: Eigentlich ist das ja gar keine Musik!
Ätna Übel: Ja eigentlich, was ist das eigentlich? Ein stümperhaftes Rumgekloppe von irgendwelchen spätpubertären... ich weiß auch nicht.

para.mecium: Ähm, Laien halt!
Ätna Übel: Ja! Das ist... Warum interviewst du uns eigentlich?
para.mecium: Echt mal! Was soll denn das?

Para.mecium, Du hast ja eine Radiosendung in Hamburg, den Tinitusstadl. Wie bist Du denn auf die Idee gekommen und was ist das Konzept hinter dieser Radiosendung?
para.mecium: Ja, auf die Idee gekommen... das ist eine lange Geschichte - haben wir jetzt so viel Zeit? Ja, es ist so: Ich bin nach Hamburg gekommen und dann wollte ich mir einen Drumcomputer kaufen. Und da bin ich an so einen Typen geraten, der hatte halt einen Drumcomputer und...

Ätna Übel: Und seitdem mag er perverse Sexspiele ;-)
para.mecium: Genau, mit Drumcomputern! Nee - Und der hat mir dann Sachen von sich vorgespielt und die hab ich gehört und dachte dann, den ein oder anderen Song kennst du doch. Und dann kam raus, daß er halt auch eine Radiosendung im Offenen Kanal in Hamburg macht. Da hab' ich mir überlegt, hey, das wär’ genau das richtige für uns, Spakken Knorke. Dann habe ich mich beworben und nach einigen Tests, die ich über mich ergehen lassen mußte, war dann die Radiosendung geboren.

Und was ist da für Musik zu hören?
para.mecium: Ach so, das Konzept war ja auch noch gefragt... Interessante elektronische Musik! Und versucht wird eigentlich jedesmal, daß Leute da live Musik machen, also ihre Geräte ins Studio bringen. Das ist halt die Sache...

Ätna Übel: Wir können zeigen sozusagen. Nicht nur irgendwo zu Hause von alten Papas was vorprogrammiert kriegen und das dann irgendwo abspielen lassen... Nein, bei uns wird Musik noch handgemacht, sozusagen!

Und das macht ihr dann immer im Studio vom Offenen Kanal oder bei dir zu Hause?
para.mecium: Bei mir zu Hause...

Ätna ÜbelÄtna Übel & para.meciumpara.mecium

Dann wird das vorproduziert sozusagen und dann gebt ihr das Tape ab, oder wie...
para.mecium: Das Problem liegt beim Offenen Kanal, weil zu der Sendezeit, wo wir senden, da hat der schon zu und da muß das vorproduziert sein. Und da machen wir das halt bei mir...

Ätna Übel: Dann ist das ja doch nicht live...
para.mecium: Ja, und es ist auch manchmal nicht bei mir, sondern auch bei anderen Leuten.
Ätna Übel: Wir spinnen hier voll ab, wa?!
para.mecium: Echt mal, Lügner...
Ätna Übel: Scheiße, jetzt outen wir uns...

Habt Ihr feste Sendezeiten?
para.mecium: Feste Sendezeiten nicht... Also ich versuche einmal pro Monat, aber das ist so ein bißchen problematisch: Beim Offenen Kanal kriegt man nur einen festen Sendeplatz, wenn man irgendwie hundert Sendungen gemacht hat, oder so... und wir sind gerade mal bei Nummer sechs oder sieben - von daher ist das noch nicht im Gespräch.

Wer entwickelt die Ideen für solche interessanten Krach-Instrumente...
para.mecium: Von welchen Instrumenten redet er?

Z.B. im Anorak, daß Ätzeschiel Percussion mit Schrauben in einer Blechdose gemacht hat, wer kommt auf diese Ideen?
Ätna Übel: Ätzeschiel! Das ist, glaube ich, seiner ureigenen Kreativität entsprungen, oder?

para.mecium: Ja, man muß sagen: Im Anorak da war ja alles richtig Chaos, da haben wir alles ausprobiert was geht - und von daher...

Erzählt mal ein bißchen...
Ätna Übel: Ja, da waren halt verdammt viele Leute, die nur alle was anderes konnten... Da war ein Didgeridoobläser - das wesentlichste - Gitarre hatten wir dabei, Geige, ja unser Elektroniktüftlerchen hier, das war auch dabei... Da hatten wir halt solche schicken Sachen: Grammophone und große Stahlplatten.

para.mecium: Eisenrohre...
Ätna Übel: Ja, Eisenrohre, Bohrmaschinen...
para.mecium: Haken, Sägezahngeneratoren aus irgendwelchen Physiklaboren...
Ätna Übel: Ach ja, stimmt ja. Das sammelt man alles so im Laufe seines Lebens so zusammen und denkt, hey, das macht ja Geräusche und cool... Ja, und dann denkt man sich, das muß man auf die Menschheit loslassen und da wird das halt einfach mal ausprobiert. Und dann wird alles so geplant, wann man was macht, welche Stimmung in dem Song erzeugt werden soll und was könnte man da so zusammenwürfeln. Dann bringt halt jeder seine Idee mit und - ja, es war ganz gelungen gemacht... Es war jeder von unseren Musikern für das Experimentelle zu haben und sie haben dann auch ein paar Melodiebögen reingebracht und ein bißchen Rhythmik und - wir haben das dann alles wieder versaut...

para.mecium: Die Idee ist eigentlich voll interessant, muß ich sagen... Nur das Problem ist halt, wenn man da zuguckt, dann kriegt man nicht so richtig mit, daß das eigentlich live ist; also wirklich in dem Moment, wenn man das hört, wird's auch erdacht. Und das kann natürlich auch ganz schön in die Hose gehen, dann kann's auch einmal ziemlich schräg und schief werden.
Der Zuhörer kann dann natürlich auch schnell abgenervt sein, wie z.B. bei einer fünfminütigen Kratzpassage mit einer Harke auf dem Fußboden. Das kann dem Zuhörer natürlich arg auf's Gemüt schlagen - aber das gehört dazu, denk' ich mal...

Ätna Übel: Das hatte natürlich auch Gründe, nämlich...
para.mecium: Jaaa... Das schneiden wir raus!!!
Ätna Übel: ...wegen des Versagens unseres Technik-Fuchses, der wieder einmal nicht entdeckt hat, daß da irgendwo ein Knopf falsch gedrückt war und dann der Spielfluß unterbrochen wurde.

para.mecium: Ja und warum? Weil ich dem Laien hier erst mal erklären mußte, was er zu machen hat... so!

Ätna Übel: Ja, also so sind unsere Liveauftritte...
para.mecium: Nee, so war eigentlich nur der Anorak, fand ich.
Ätna Übel: Danach hatten wir uns ein bißchen besser abgesprochen! Da hatte das ein besseren Fluß und dadurch hatte das Ganze einen Rahmen...

Also in Duisburg war ich ja selbst nicht dabei, aber wenn...
para.mecium: Schäbig! Buh, los Aufbruch...
Ätna Übel: Unverzeihlich...

...wenn ich mir das von der Erinnerung so Revue passieren lasse, dann fand ich das im Anorak experimenteller und irgendwie ausgefallener als in Duisburg...
Ätna Übel: Ja, das hatte einen Grund: Und zwar war Duisburg eine relativ kurzfristige Sache und der einzige, der irgendwie Zeit hatte, sich vorzubereiten, das war der neben mir, der die Couch so tief eindrückt, daß ich da immer hinrutsche... Nee, aber, was wollte ich eigentlich sagen?

para.mecium: Gib her, am besten du sagst gar nichts mehr...
Ätna Übel: Ruhig! Wir hatten alle ziemlich wenig Zeit, das vorzubereiten und da habe ich mich dann doch mehr auf den Gesangspart konzentriert anstatt auf irgendwelche Geräusche. Zumal wir die auch gar nicht da hin transportieren und großartig irgendwelche Instrumente da aufbauen konnten. Ja und da haben wir das Ganze immer noch live gemacht, also ich habe mir die Show da so ziemlich live ausgedacht und dafür...

para.mecium: Ätna ist der Größte! Also das muß ich gar nicht sagen: ich finde Duisburg war viel besser als im Anorak. Die erste halbe Stunde im Anorak war voll cool, aber dann ist das so abgefallen und dann war das richtig schlecht, find' ich im nachhinein so. In Duisburg da war es ja so, daß da ein bißchen System dahintersteckte. Außerdem war es da von vornherein auch so geplant; da war ja gesagt, wir machen nur elektronische Sachen.

Ätna Übel: Aber trotzdem: Das war auch Mangel an Vorbereitungszeit, sonst hätten wir doch ein bißchen mehr da noch rausgekitzelt.

para.mecium: Das ist wohl war.
Ätna Übel: Wie gesagt, Duisburg... Da waren die reinen Fahrtkosten von uns ohne Transportkosten schon höher als die Einnahmen...

para.mecium: Um Geld geht's doch gar nicht! Was erzählst du für'n Scheiß...
Ätna Übel: Ich wollt' sagen, daß wir mehr ausgeben als einnehmen.
para.mecium: Wir sind noch wahre...
Ätna Übel: ...wahre Musiker.
para.mecium: Underground!
Ätna Übel: Wir leben dafür...
para.mecium: ...und nicht davon.
Ätna Übel: Wir geben alles, auch unser letztes Hemd, was ich heute anhabe...

Zeichnest du dich, Ätna, jetzt alleine für die Vokalakrobatik verantwortlich? Im Anorak waren ja noch mehrere Leute, aber in Duisburg warst du ja allein vorn am Mikro...
para.mecium: Zum Glück! Da hat er wenigstens die Musik nicht versaut...
Ätna Übel: Das schneiden wir raus! Im Anorak waren da mehrere Leute dran, aber speziell den Gesangspart hatte da unser 33jähriger Kunstlehrer Herr Behrens... Er konnte beim zweiten Mal natürlich nicht mitkommen, da ging's ihm nicht so gut - und da hatte ich mal Lust, dieses tolle Stimmeffektgerät, was wir aufgetrieben haben, auszureizen.
Da hab' ich mich voll drauf eingelassen; weil, wie gesagt, irgendwelche Schlaginstrumente größerer Art, wo ich mich sonst auslasse, hatten wir nicht in Duisburg. Und Duisburg ist nicht eine Stadt, wo man so was schnell findet, was so rumliegt auf der Straße... und mitnehmen konnten wir auch nichts.
Da mußte ich mich eben auf den Gesangspart konzentrieren. Ich würde das nicht ganz allein auf mich abwälzen, aber ich muß sagen, es hat mir auch Spaß gemacht, mal ganz allein vorn zu stehen und dann da auf die Leute einzubrüllen. Das war schon recht lustig...

War das nun spontan oder hast du dir vorher Gedanken gemacht?
Ätna Übel: Wir hatten...
para.mecium: Texte von Guido.
Ätna Übel: Ja, stimmt... Guido hatte zwei Texte - also Guido ist mein Übermieter, der hat auch mit seinem Moog Prodigy mitgemacht - und auf der Hinfahrt haben wir uns noch so ein bißchen überlegt... den Weihnachtsmanntext. Das sind alles irgendwelche Sachen, die ich irgendwo gesammelt habe, aber so richtig geplant war das nicht. Da haben wir noch überlegt, bei welchem Song ich was nehme, wo was hinpaßt. Aber das war dann im Endeffekt doch alles irgendwie live produziert, zumal ich das auch noch nie gemacht habe - da mußte ich ganz schön mutig sein!

Gibt's irgendwelche Konzerte von euch in nächster Zukunft, irgendwelche Projekte, irgendwas, was ihr jetzt so anstrebt?
Ätna Übel: Mirko, der in Duisburg ganz hinten am Amiga saß, macht in Berlin immer Parties... Wie heißen die?

para.mecium: Die haben den supertollen Namen, sehr einfallsreich: "Geräuschinfusion"...
Ätna Übel: Wofür sie ungefähr zwei Monate gebraucht haben, bis sie den Namen hatten.
para.mecium: Böse! ;-)
Ätna Übel: Genau!
para.mecium: Mirko, das ist nicht so gemeint!
Ätna Übel: Und da sollen wir unbedingt mal auftreten. Aber wir sind zur Zeit so'n bißchen im Streß, weil para.mecium studiert in Hamburg und ich in Berlin. Da ist das alles so ein bißchen streßbedingt, aber wenn wir mal viel Zeit haben, dann machen wir mal wieder so ein Gig - das wär dann in den Sommerferien halt...

para.mecium: Was ich jetzt noch vorhabe in Hamburg: Da gibt's noch so'n anderen Radiosender und da wollen wir mal eine ganze Nacht durchmachen: Mit mehreren Leuten eine ganze Nacht durchziehen, live spielen und so...

Ätna Übel: Es hat jeder andere Nachtaktivitäten... ;-)

Wie heißt der?
para.mecium: Der Radiosender heißt Freies Sender Kombinat...

Ist das so'n Privatfunk, oder was?
para.mecium: Nee, das sind alles alternative Leute und die haben sich überlegt, der Offene Kanal ist ein bißchen zu bürgerlich und das hat die ein bißchen gestört, und da haben sie einfach einen eigenen Sender eröffnet. Und da sind in der Nacht immer so riesige Lücken, so von 22 bis 6 Uhr... Und da suchen wir ein paar Leute und dann könnte man mal eine Nacht Musik machen.

Duisburg: FeuerwerkHarkeWeihnachtsmann

Und die bekommt man jetzt nur über Antenne rein?
para.mecium: Und Kabel!

Ah, die sind sogar im Kabelnetz...
para.mecium: Ja ja... aber halt Hamburg nur...
Ätna Übel: Also da, wo Leute fehlen, wo absolu...
para.mecium: Nächste Frage bitte!

Kann man euch buchen für ein Konzert oder so?
Ätna Übel: An die großen Veranstalter: Wenn ihr Interesse habt - ich weiß nicht, ob ihr es euch leisten könnt, aber das ist halt eine Frage des Rahmens... ;-) Also mit uns kann man sprechen, wir sind flexibel - möglichst rechtzeitig vorher und dann läßt sich schon was einrichten. Wir haben immer Lust an sich, es ist nur der Zeitfaktor, ansonsten steht eigentlich nichts im Wege...

para.mecium: Das war ja in Duisburg auch so, daß der Typ halt kurz angerufen hat, ja... "Habt ihr Bock?" und so ist es da auch entstanden. Von daher... Lust hätten wir immer und da muß man sich halt nur bei uns melden. Also eigentlich ist das alles schon ein bißchen ernsthaft: Wir machen das zwar aus Spaß an der Freude, doch trotzdem: die Musik an sich ist schon ernst gemeint... außer bei Ätna! ;-)

Ätna Übel: Natürlich wollen wir uns musikalisch doch ausprobieren, doch eher ernst, was wir können; und versuchen, doch eine Art von Kreativität, die wir in uns tragen, da nach außen zu bringen. Wir verbinden das halt doch immer wieder mit viel Spaß auf der Bühne und setzen uns auch keine Schranken, sag ich mal. Und wir machen das nicht am Geld fest und deswegen haben wir natürlich viel Freiheit und können uns da eben auslassen. Da können wir uns auch ein gewisses Maß an Spaß erlauben... Aber wie gesagt, ist es doch harte Arbeit, die wir da vollbringen an dem Abend.

Habt ihr euch überlegt, wie das weitergehen soll... spielt ihr jetzt halt die nächsten Jahre so ab und zu mal eine Performance oder gibt es irgendwie ein Ziel, wo ihr hinwollt?
Ätna Übel: Also wir haben absolut keinen Plan! Wir machen halt... wenn wir Gelegenheit haben, ziehen wir das durch und... ja...

para.mecium: Das soll immer so ein freiwilliges Ding sein, also nie jetzt irgendwie...
Ätna Übel: In Streß ausarten!
para.mecium: Genau! Dann würde sozusagen der ganze Geist darin verlorengehen, weil das wäre dann ja so auf Zwang; das ist nicht so das richtige. Nur es wäre natürlich schon nicht schlecht, wenn man das irgendwie, in irgendeiner Art einem größerem Publikum beibringen könnte, deshalb ja auch z.B. der Tinitusstadl. Weil da könnte man eventuell in einem größeren Rahmen Leute erreichen...

Ätna Übel: Den Genuß zukommen lassen, ist da die richtige Beschreibung für...
para.mecium: Genau! Also vom Plan her, alles klar... irgendwas live, wenn da was ist, dann schon; da hätten wir schon Bock drauf, aber...

Ätna Übel: Wie war das jetzt?
para.mecium: Wenn da was ist, dann schon!
Ätna Übel: Alles klar!
para.mecium: Nur das ist natürlich immer auch eine Zeitfrage, das ist immer das Problem... So, aus... weg!!!


spakken knorke links
www.spakkenknorke.de    offizielle Homepage von Spakken Knorke
www.tinitusstadl.de   die Homepage der Radiosendung für interessante elektronische Livemusik im Freien Sender Kombinat Hamburg (ehedem im Offenen Kanal Hamburg) mit Sendeterminen, Philosophie und dem Jean Bach-Infoletter

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last update: 14.nov 2016
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