cuba
Die 1999 in den Medien höchst präsenten Newcomer namens Cuba haben mit ihren dichten Klangkonstruktionen aus den verschiedensten Musikrichtungen auch unser Interesse geweckt - also Zeit für uns, in Electrigger #4 über sie zu berichten. Aus dem anfänglich zweiköpfigen Elektronikprojekt wurde ziemlich bald ein Pool, in dem sich neben der Liveband auch viele Gast-Musiker tummeln. Und am 26.10.1999 gab die Band im Berliner Knaack Club ihre überzeugenden Livequalitäten zum Besten und die beiden Köpfe hinter Cuba, Ashley Bates und Christopher Andrews, standen uns Rede und Antwort:

Cuba liveInterview mit Chris und AsleyCuba live

er Name Eurer Band ist Cuba - warum?
Chris: Warum nicht? Wir dachten, der Name klingt sehr visuell. Zwei Silben in einem kurzen Wort. So wie die Insel Cuba mit ihren Palmen und den großen Buicks. Es klingt einfach cool - und ein Teil meiner Familie ist kubanisch.

Wann begann Cuba, Musik zu machen?
Chris: Wir haben vor zweieinhalb Jahren mit unserer Musik angefangen.
Ich traf Ashley auf einer Houseparty in Brixton in Südlondon. Er hatte einen Computer und einen Sampler und ich nicht. Es lief einfach gut. Wir unterschrieben bereits nach vier Monaten einen Aufnahmevertrag. Es ging dann alles sehr schnell.

Ist Cuba ein Projekt zwischen zwei Leuten oder einer großen Liveband? Wie sind die anderen Mitglieder der Band bei der Musikgestaltung involviert?
Ashley: Zuerst waren es nur Chris und ich. Aber als wir die Liveband hinzunahmen, wurde den Aufnahmen ein neues Element hinzugefügt.

Chris: Als wir das erste Mal live spielten, hatten wir die Stücke im Studio bereits fertiggestellt. Unsere Plattenfirma hatte uns gefragt, ob wir nicht auch live spielen wollen, woran wir vorher nicht gedacht hatten. Aus diesem Grund arrangierten wir unsere Liveband, da es besser wirkt als zwei Typen, die nur Knöpfe drücken.
Dafür wäre unsere Musik einfach zu langsam gewesen, also entschieden wir uns eine Rockband dazu zu nehmen und gaben unsere Drumparts den Jungs.
Bei unserer nächsten Scheibe, die auf Elektronik basieren soll, wollen wir noch viel mehr Livecharakter einbringen. Die Jungs werden sich die Tapes anhören und ihre Parts in einem Livekontext beisteuern.
Es ist ein großer Unterschied, wenn du nur für eine Aufnahme spielst, wo jeder Ton stimmen muß. Beim Live spielen kannst du wesentlich freier sein. Die Atmosphäre ist live wesentlich rockiger.

Wie tretet Ihr mit Euren Gast-Musikern in Kontakt, besonders mit Shara Nelson?
Chris: Sie rief uns an und bettelte darum, mit uns zu arbeiten. Nein. Eigentlich waren unsere Stücke immer instrumental. Als wir jedoch das Stück „Black Island" fertigstellten, dachten wir, da fehlt etwas. Normalerweise nehmen wir dann noch einen anderen Drum-Loop oder ein verrücktes Geräusch hinzu. Aber es war trotzdem nicht genug. Wir entschieden, daß eine Stimme fehlt. Wir riefen einige Freunde an und fragten nach einer weiblichen Stimme.
Jemand sagte dann, warum nicht Shara. Sie hörte sich die CD an, sie gefiel ihr und wir trafen uns auf ein paar Drinks. Während wir ein Bier nach dem anderen tranken, erzählte sie uns von den Grammy Awards und großen Limousinen. Sie sang ja damals Massive Attacks "Unfinished Sympathy". Aber eigentlich haben wir uns nur ein paar mal getroffen und dieses Stück gemacht.
Irgendwie stieß dann auch Angie Brown zu unserer Band hinzu.
So lief das die ganze Zeit. Wir hatten immer irgendwelche Ideen. Wie zum Beispiel Louis, ein Freund von uns, der zu einer Probe für einen Gig kam. Er sagte: "Gib mir ein Mikro und spiel das Stück noch mal." Er machte einen Rap dazu und wir fanden, daß es sich wirklich gut anhört.

Ist Euer Debut-Album "Leap of Faith" eine Collection Eurer besten Songs der letzten Jahre oder ist es alles neu geschriebenes und neu komponiertes Material?
Chris: Nein, es sind die ersten Songs die wir je zusammen geschrieben haben. Eigentlich war es kein stressiger Job, doch es war unvermeidbar, daß wir Druck von unserer Plattenfirma in London bekamen. Sie sagten: „Ihr müßt uns diese Aufnahmen geben, egal ob sie gut sind oder nicht." Wir hatten Glück, daß sie trotzdem so gut wurden.

Ashley: Wir kennen die Ideen der Musik der letzten 24 Jahre, und was wir machen, ist diese kompakt in einem Sound zusammenzufassen. Das kann ganz schön variieren.

Chris: Es ist alles da, von Hip-Hop bis zu Techno. Wir könnten sagen, daß die nächsten Aufnahmen vielleicht mehr in einem Stil sein werden, aber wahrscheinlich wird es doch nicht so sein. Wir hören auch nicht nur Techno, House, Hip-Hop oder Popmusik, sondern eben alles von Miles Davis über Sonic Youth bis Funkadelic. Ansonsten wäre es ja langweilig.

Wie begann Eure musikalische Kariere - als DJ´s?
Chris: Nein, das kam eigentlich danach.
Ashley: ... höchstens in der Schule in einer Band...
Chris: Nein, ich nie.
Cuba ist unsere erste Sache. Wir arbeiteten beide daran, aus Europa herauszukommen und nach Amerika zu gehen.
Irgendwie spielt ja jeder in einer Band, aber wenn du tiefer hinein schaust, ist es doch nur shit und funktioniert meist nicht. Bei uns hat es aber geklappt.
Doch das mit den DJ’s kam danach. Besonders in England gibt es Leute, die denken, weil sie die DJ’s sind, wären sie gute Songschreiber. Das Ergebnis ist dieser ganze furchtbare Big Beat-Kram - wirklich schreckliches Zeug.
Wir legen zwar auch Platten auf, aber das hat für uns keine Priorität.

Habt Ihr denselben musikalischen Geschmack? Eure Musik ist so komplex, daß man denke könnte, Ihr habt viele gemeinsame, aber auch verschiedene Vorlieben.
Chris: Ja, da sind schon viele Gemeinsamkeiten. Aber Ashley hört in Wirklichkeit eine Menge Müll.
Ashley: Nein Du...
Chris: Hey, ist schon o.k.
Also bei den wichtigen Dingen sind wir schon einer Meinung. Wir mögen beide Funkadelic, Spacemen 3, Sonic Youth. Wobei Ashley mehr Sonic Youth hört als ich.
Doch dann geht der Geschmack auseinander. Ich tendiere mehr zu Hip-Hop und er mag mehr die eigenwilligen, avantgardistischen elektronischen Sachen. Doch eigentlich haben wir so ziemlich den gleichen Geschmack.
Ja, es war Liebe auf den ersten Blick.

Was sind Eure Pläne für die Zukunft?
Ashley: Wir schreiben und wir arbeiten an der zweiten Platte.
Chris: Ja, wir arbeiten an der zweiten Platte. Und dann werden wir weiter sehen. Wir wollen das Label wechseln.
Ashley: Ja, der Vertrag galt nur für eine Platte.

Chris: Wir werden dann weiter gehen. Wir haben entschieden, nicht dort zu bleiben. Es hängt davon ab, wo unsere Schwerpunkte sein werden, ob wir uns mehr auf Nordamerika oder auf Europa konzentrieren. Die Zeit wird es uns zeigen.

Vielen Dank für das Interview.


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